
- re:publica 2009 Tag 1: Blogger, Journalisten, John Kelly und das Loch im Raum-Zeit Kontinuum
- re:publica 2009 Tag 2: Videos, Spiele, ein kochender Topf, Augmented Reality und Lawrence Lessig
- re:publica 2009 Tag 3: Politik, Wiki Wiki, Cory Doctorow, Barack Obama und die Atheisten
Der erste Tag der re:pulica ist zu Ende und bevor ich gleich todmüde ins Bett falle, noch schnell ein paar Gedanken dazu.
Gleich zu Beginn beeindruckte John Kelly mit seinen Visualisierungen der Blogosphären in verschiedenen Ländern. Dabei werden mit Hilfe der sozialen Netzwerkanalyse die Verlinkungen der jeweiligen Blogosphäre sowohl nach außen zu “klassischen” Medienangeboten untersucht, als auch nach innen, also Verlinkungen zwischen Blogs. Die daraus entstehenden Cluster ermöglichen sehr interessante Rückschlüsse auf allgemeine Trends. So hat beispielsweiße in Iran im letzten Jahr der Cluster um die Blogs mit religiösen Themen erheblich an Einfluss gewonnen.
Sehr interessant auch seine Untersuchung der deutschen Blogosphäre, die seiner Meinung nach in der Entwicklung der US-Blogosphäre um fünf Jahre hinterher hinkt. Gefreut hab ich mich besonders, als er die Blogs hervor gehoben hat, die öfter auf Nerdcore verweisen. Da war ich ja quasi auch mit dabei.
Die darauf folgende Diskussionsrunde mit Markus Beckedahl, Robert Basic, Stefan Niggemeier, Sascha Pallenberg, Thomas Knüwer beschäftigte sich mit dem Thema “Blogs in Deutschland”. Allerdings ging es mehr um das Verhältnis Journalisten und Blogger bzw. sollten sich Blogger organisieren um ihre Interessen besser artikulieren zu können. Für mich am Wichtigsten waren zwei Aussagen von Markus Beckedahl und Robert Basic. Markus stellte klar, dass man sich nicht so sehr mit “bloggen” an sich beschäftigen sollte, sondern eigentlich mit “im Internet publizieren” selbst und Robert war etwas angesäuert weil in Deutschland immer alle zuviel nachdenken, anstatt einfach was zu machen.
Dazu passte, dass mit Sascha Pallenberg von Eee PC News ein sogenannter professioneller Blogger mit in der Runde saß, der dieses “einfach was machen” mit seiner etwas hibbeligen Art ganz gut rüber brachte.
Nach der Mittagspause und einem enttäuschenden Vortrag des Open Moon Projektes saßen Helmut Lehnert, Johnny, Jakob Augstein, Petra Müller und Peter Hogenkamp auf der Bühne und diskutierten über “Medien im Wandel”. Dabei durfte man sich mal wieder die Vorwürfe anhören “im Internet muss man sich durch zu viel Müll graben” und “die Medien haben versagt”. Dazu passte die Nachricht auf der Twitterwall (siehe Bild oben), die zwischen Podium und Publikum “ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum” feststellte. Oder anders gesagt: Wer sich täglich mit dem Medium befasst ist längst weiter als einige der Herren auf der Bühne, die die Twitterwall als unfair bezeichneten und prompt ein “Heul doch!” als Antwort über die Wall geschickt bekamen.
Im Anschluss daran trat ein scheinar nervöser Anthony Volodkin auf und präsentierte sein Projekt Hypemachine, den bekannten Musikblog-Aggregierungsdienst.
Wirklich interessant war dann wieder der Vortrag von moot, dem “Gründer” von 4chan, einem extrem offenen und schnellen Forum, dass für einige der bekanntesten Internet-Meme mitverantwortlich ist und vor allem von Judendlichen rund um die Welt genutzt wird. Erstaunlich dabei ist wie jung und selbstbewusst moot auf der Bühne auftrat und Einsichten in 4chan präsentierte.
Das kleine Panel “Grosstadt-Nomaden” war dagegen enttäuschend und glückerweiße durch die folgende Quiz-Show “re:search” gleich wieder vergessen. Glückwunsch übrigens an Lars, den Gewinner der ersten Ausgabe von re:search.
Das Fazit: Der erste Tag der re:publica 2009 hat sich gelohnt. Ich hab einige lohnende Sachen gesehen und mich mit ein paar interessanten Leuten unterhalten. Nur das WLAN, das funktioniert morgen hoffentlich besser.




