- re:publica 2009 Tag 1: Blogger, Journalisten, John Kelly und das Loch im Raum-Zeit Kontinuum
- re:publica 2009 Tag 2: Videos, Spiele, ein kochender Topf, Augmented Reality und Lawrence Lessig
- re:publica 2009 Tag 3: Politik, Wiki Wiki, Cory Doctorow, Barack Obama und die Atheisten
Begonnen hab ich den letzten Tag der re:publica 2009 mit dem Ende von “Political Evolution”, in dem Esra’a Al Shafei vorstellte mit welchen Mitteln und Internet-Plattformen sie politische Kampagnen im mittleren Osten organisiert. Im Anschluss daran hab ich den Gesprächen im Panel “Axis? What Axis?” leider nur mit halbem Ohr zugehört. Es ging aber soweit ich es mitbekommen hab allgemein um die Nutzung des World Wide Web furch politische Aktivisten.
Danach trat mit Jimmy Wales der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia auf die Bühne und lieferte ein paar Statistiken und Hintergrundinfos zur Wikimedia Foundation. Interessanterweise ist er der Meinung, dass die deutschsprachige Wikipedia eine höhere Qualität hat als die englischsprachige. Man versuche allerdings die Richtigkeit der Informationen dadurch zu erhöhen, indem man mehr Akademiker zum Schreiben animiere.
Neben der fehlenden Qualität bemängelten einige Zuschauer die Möglichkeit für Firmen, ihre eigenen Wikipedia-Einträge in ihrem Sinne ändern zu können. Wales meinte jedoch, dass sich Firmen aber genau dafür teure Kommunikationseperten engagieren, die ihnen dann erzählen wie schlecht es für die Firma wäre wenn diese Veränderungen auffliegen würden.
Die Fragen am Ende wurden von Herrn Wales übrigens durchweg sehr umfassend erklärt. Was den Veranstaltern wahrscheinlich einiges an Geduld gekostet haben dürfte, da der Friedrichstadtpalast zu einem bestimmten Zeitpunkt verlassen werden musste.
Gut, dass sich mit Cory Doctorow im Anschluss daran der Schnellredner und Schrecken vieler Simultan-Übersetzer ankündigte. Thematisch ging es im Vortrag mit dem Titel “How to survive the web without embracing it” wie bei Lawrence Lessig gestern um die absurden Auswirkungen der aktuellen Urheberrechts-Gesetze. Im Gegensatz zu Lessig brauchte der Science Fiction Autor und Boing Boing Blogger aber kein Folien-Feuerwerk. Stattdessen stand er nur hinter seinem Pult und begeisterte das Publikum mit seinem Bashing der Copyright-Industrie.
Nach der dann nur noch sehr kurzen Mittagspause ging es in der Kalkscheune mit Mary C. Joyce und ihrem Vortrag “The Power of the Digital Us: Obama & Beyond” weiter. Sie war New Media Operations Manager im Wahlkampf von Barack Obama, dessen Umsetzung und Erfolg im Web als bisher einzigartig gilt. So wurden beispielsweiße allein 500 Millionen Dollar durch tausende Micro-Payments für den Wahlkampf von Barack Obama gespendet. Im Gegensatz dazu steht die traditionelle Finanzierung durch weniger und dafür größerer Spenden, die jedoch der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit eines Kandidaten nicht gerade zu Gute kommt.
Auf die Frage nach den Gründen für den Erfolg der Kampagne nannte sie unter anderem eine genaue und von langer Hand geplante Strategie, die fast 3 Jahre umfasste. Viel zu kurz also, als dass eine der deutschen Parteien das noch für die diesjährige Kanzlerwahl umsetzen könnte.
Markus Beckedahl stellte genau diese Bemühungen der deutschen Parteienlandschaft in den Mittelpunkt seines Vortrages “Politik 2.0 – zwischen Marketing und Veränderung”. Das Ergebnis ist allerdings ziemlich ernüchternd. Von Abgeordneten völlig ohne Webseite über veraltete Neuigkeiten, der neuen Webseite der SPD bis zum Twitter-Account von TSG ist bei deutschen Parteien alles vertreten. Aber leider machen alle Bemühungen eher einen halbgaren Eindruck. Erwähnen möchte ich hier auch noch die Forderung von Markus, offene Schnittstellen für die deutsche Politik einzuführen.
Ich befürchte allerdings das bleibt vorerst Wunschdenken, zumindest von offizieller Seite muss da nicht nur ein sondern wahrscheinlich eher 10 Umdenken stattfinden.
In den letzten Vortrag heute bin ich eigentlich eher durch Zufall geraten. In “Atheist Buses” stellte Jon Worth eine der größten NGO Kampagnen Großbritanniens vor. atheistbuses.org begann ursprünglich mit einem Artikel im Guardian über Atheisten und endete darin, dass inzwischen soviel Spenden gesammelt wurden, dass hunderte Busse mit der Aufschrift “” durch London und den Rest Großbritanniens fahren.
Jon erzählte wie sich die Kampagne seit Juli 2008 bis heute entwickelt hat, welche Web-Dienste genutzt wurden, präsentierte eine nützliche Liste von best practises (“Wenn man die Idee in einem Satz über einem Bier erklären kann …”) und wurde dafür mit vielen Fragen und viel Applaus zurecht belohnt. Coole Aktion, die inzwischen auch in anderen Ländern umgesetzt und von den religiösen Gruppen in Großbritannien kopiert wird.
Das war dann also die re:publica 2009. Ich muss die ganzen Eindrücke jetzt aber erstmal verdauen und die re:publica Artikel am Wochenende noch mit Links versehen.




